
Untrennbar mit der Dynastie Habsburg verbunden, bildete Schloss Schönbrunn den pittoresken Hintergrund unzähliger Höhen und Tiefen österreichischer als auch europäischer Geschichte, diente als Repräsentationsort und kaiserliches Feriendomizil. Gerahmt wird der Gebäudekomplex von einem barocken Schlossgarten, der in seiner Gestaltung ebenfalls als authentisch wahrgenommen werden darf. Schönbrunn gilt in seiner Gesamtheit als architektonisches Kleinod - doch das war nicht immer so. Nicht jeder Herrscher Habsburgs hegte eine Leidenschaft für die Anlage, wirtschaftliche Not, eklatanter Geldmangel und kriegerische Auseinandersetzungen taten ihr Übriges, um dem Schloss zuzusetzen. Schönbrunn, auch in Form seiner Vorgängerbauten, wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrmals Opfer schwerer Zerstörungen und des allgemeinen, schleichenden Verfalls.
Die Anfänge der so prächtigen Anlage mit Barockgarten, Zoo und Palmenhaus lassen sich bis in das 14. Jahrhundert zurückverfolgen und wurzeln in einem einfachen, wirtschaftlich betriebenen Gut, welches sich im Besitz des Stifts Klosterneuburg befand. Das dem damaligen Ortsnamen Katterburg gleichlautende Gut verzeichnete neben einer Mühle auch einen Obstgarten und Betrieb Tierhaltung. Wechselnde Pächter lassen sich im Laufe der Zeit ausmachen, in den Besitz des Hauses Habsburg gelangte das Areal zu Zeiten Kaiser Maximilians II. im Jahr 1569. Dass die Intentionen des Kaisers sich vornehmlich auf die Jagd sowie die Tierzucht zu eben diesem Zweck beschränkten erscheint wenig überraschend. Allerdings wurde auch exotisches Geflügel wie zum Beispiel Truthähne gehalten. Nachdem Kaiser Rudolf II. deutlich weniger Interesse an dem Besitz zeigte erfuhr Katterburg unter Kaiser Matthias eine gewisse Aufwertung, der hier ebenfalls der Jagd frönte und der Sage nach im Jahre 1612 jenen Brunnen entdeckte, welcher später namensgebend für das Schloss werden sollte. Der “Schöne Brunnen” ist heute noch in der östlichen Hälfte des großen Parterres in unmittelbarer Nähe der Ruine von Karthago zu finden und wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts baulich gefasst.
Im Jahr 1642 ließ die Witwe Kaiser Ferdinands II. Im Bereich der heutigen Schlossanlage ein Lustschloss errichten, welches bereits repräsentativen Charakter aufwies und den Namen Schönbrunn trug. Als baulicher Ursprung des heutigen Schlosses ist das Anwesen Eleonore von Gozagas allerdings nur bedingt zu betrachten, da das Lustschloss im Zuge der 2. osmanischen Belagerung 1683 zu guten Teilen zerstört wurde und ein Neubau letztlich zweckmäßiger erschien. Pläne des berühmten Architekten Johann Bernhard Fischer von Erlach aus dem Jahre 1688 zeigen ein äußerst ambitioniertes Projekt, welches in seinen Dimensionen weit über die heutige Schlossanlage hinausreicht. Umgesetzt könnte der sg. Schönbrunn I-Entwurf nicht werden, doch avancierte der in Rom ausgebildete Architekt rasch zu einem der gefragtesten in aristokratischen Kreisen.
Zurzeit Kaiser Leopolds I. und Josephs I. entstand ein repräsentatives Jagdschloss, welches bereits deutliche Anklänge an die heutige Anlage bot. Ein zeitgenössisches Porträt Johann Georg Hamiltons mit dem Titel “Rebhühner vor Schönbrunn” lässt heute noch einen Blick auf die damalige Ausführung des Schlosses zu.
Die Blütezeit Schloss Schönbrunns mit umfangreichen Umbauten und Erweiterungen fällt in die Regierungszeit Maria Theresias und Franz Stephans von Habsburg Lothringen. In einer ersten Etappe erfuhr das unter Kaiser Karl VI. noch als Jagdschloss konzipierte Gebäude eine grundlegende Veränderung der Dachkonstruktion. Das noch unter Fischer von Erlach nach italienischem Vorbild konstruierte Flachdach wurde zugunsten einer Satteldachkonstruktion abgeändert, um den mitteleuropäischen Wetterverhältnissen besser Rechnung tragen zu können. Durch den Abbruch der monumentalen Freistiege im Bereich des Ehrenhofs gelang zudem die Errichtung eines standesgemäßen Einfahrtsbereichs, welcher den Charakter einer Sala Terrena genoss.
In die 1740er Jahre fällt auch der umfangreiche Umbau im Ostflügel des Schlosses mit den bis heute zu besichtigenden, überaus prunkvollen Appartements. Das Kaiserpaar legte großen Wert auf entsprechenden Detailreichtum in Fragen des Interieurs, einige der Räume spiegeln zudem den persönlichen Geschmack Maria Theresias wider. Besonders in den als exotisch begriffenen Elementen aus Fernost, vornehmlich Porzellan, lässt sich eine Passion Maria Theresias herauslesen. Nicht umsonst werden die chinesischen Kabinette (rund und oval) zu ihren Lieblingszimmern gezählt.
In die zweite Hälfte der 1740er Jahre fällt auch der Bau der großen und der kleinen Galerie als Festsäle, die sicherlich zu den beeindruckendsten Räumlichkeiten in Schönbrunn zählen.
Spätestens mit der Krönung Franz Stephans zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches im Jahre 1745 avancierte Schönbrunn zu einer Residenz ersten Ranges von internationaler Bedeutung. Wohlweislich hatte man den zeremoniellen Vorgaben bautechnisch Rechnung getragen, so dass geladene Gäste durch die entsprechende Wegführung der Macht und Pracht des Hauses Habsburg Lothringen ansichtig werden mussten.
Richtung Meidling und Hietzing wurden zudem langgestreckte Nebengebäude errichtet, welche für die Unterbringung des Hofpersonals vonnöten waren. Auch eine Schlosskapelle sowie ein Schlosstheater wurden in die Anlage integriert.
Die naturwissenschaftlichen Ambitionen Kaiser Franz Stephans lassen sich in besonderer Weise in der Errichtung des Schönbrunner Zoos ablesen, der ältesten, noch heute bestehenden Institution dieser Art. Um Geruchsbelästigungen und Störungen sonstiger Art durch die Tiere zu vermeiden, ließ der Kaiser seine Menagerie mit einem gewissen Abstand vom Schloss anlegen. Darüber hinaus wurden ursprünglich nur herbivore Tiere für den Zoo angekauft, auch wenn man Wert auf Exotik legte. Noch heute ist die ursprüngliche Bausubstanz aus dem 18. Jahrhundert Teil des Konzepts, den Mittelpunkt bildet ein achteckiger, leicht erhöht angesetzter Pavillon, von welchem alle der ursprünglich angelegten Käfige gut zu betrachten waren. Ähnlich wie auch andere bauliche Elemente der imperialen Gartengestaltung bietet der Pavillon samt seinem Untergeschoß Anlass zu Spekulationen bezüglich geheimer Gesellschaften, Riten und Zeichen. Und tatsächlich lassen sich an einigen Stellen des Parks Zeichen der Freimaurerei finden, über deren Bedeutung heute noch gerätselt wird. 1
Iby Elfriede, Mader-Kratky Anna, Schönbrunn. Die kaiserliche Sommerresidenz, Kral Verlag, 2025.