
Als Franz Anton Mesmer 1766 seine Doktorarbeit im Fach Medizin einreichte, schien sein beruflicher Werdegang bereits vorgezeichnet. Wie so viele seiner Zeitgenossen war der junge Mann von der Vorstellung geheimnisvoller Kräfte und Ströme, welche den menschlichen Körper durchdringen und lenken sollten, fasziniert, von der Gravitationslehre Isaac Newtons beeinflusst, von den Erkenntnissen über die elektrischen Ströme und Ladungen im wahrsten Sinne des Wortes elektrifiziert. Zweifellos waren Mesmer die in der Gelehrtenwelt überaus populären Experimente rund um eine Venus electrificata bekannt, welche der Wissenschaft ebenso wie der Unterhaltung dienten und der trockenen Forschung eine charmante Note verliehen. Dabei wurde eine (meist attraktive) junge Dame mittels Schwungrat elektrostatisch aufgeladen, welche sich zuvor bereit erklärt hatte einem über die Kraft der Elektrizität nicht informierten Herren einen kleinen Kuss zu schenken. Ging der Galan nun daran sich seine Belohnung abzuholen, kam es bei Berührung der Lippen zu einem elektrischen Schlag, welcher für Erheiterung wie Faszination ebenso beim Publikum sorgte. Die Idee, dass diese eigenwillig und schwer zu fassende Kraft für medizinische Zwecke nutzbar sein könnte, ließ nicht lange auf sich warten, und so kam es, dass der elektrische Strom schon bald zum Universalheilmittel avancierte, gegen Impotenz ebenso zum Einsatz kam, wie gegen Kopfschmerzen.1
Wenn auch nicht völlig eigenständig, so entwickelte der junge Arzt die Lehre von den geheimnisvollen Kraftströmen im Körper permanent weiter und konnte mit dem „animalischen Magnetismus“ schon bald erste Erfolge feiern. Franz Anton Mesmer avancierte zum Modearzt seiner Zeit, konnte Verbindungen zum Adel knüpfen und ließ im Zuge seiner Sitzungen zunehmend eine gewisse Kreativität erkennen. Untermalt von Musik, den Behandlungsraum in Kerzenlicht getaucht, zog er sich den Unwillen all jener Standeskollegen zu, die Mesmers undurchsichtige und wissenschaftlich nicht zu erklärende Methoden schlicht ablehnten.
Eine Zäsur in Mesmers Karriere sollte sich durch den Versuch des Arztes, die blinde Musikerin und Komponistin Maria Theresia Paradis von ihrem Augenleiden zu heilen, einstellen. Paradis hatte ihr Augenlicht bereits in sehr frühen Jahren durch heute nicht mehr eindeutig zu bestimmende Umstände verloren, entwickelte aber bereits in ihren Kindertagen eine starke Affinität zur Musik und spielte im zarten Alter von elf Jahren vor der Regentin Maria Theresia. Ähnlich wie Mozart, mit dem sie auch freundschaftlichen Umgang pflegte, verfügte die Paradis ebenfalls über ein enormes Musikgedächtnis und konnte Stücke bereits nach dem ersten Anhören auswendig wiedergeben. Sie galt als musikalisch hochbegabt und wurde von Maria Theresia auch mit einer Jahresrente von zweihundert Gulden finanziell unterstützt. 2
Mesmers Versuche die junge Frau von ihrer Blindheit zu heilen schlugen fehl. Noch vorhandenes Aktenmaterial lassen keinen eindeutigen Schluss zu, in wie weit die ungewöhnlichen Behandlungsmethoden tatsächlich Erfolge verbuchen konnte. Paradis selbst erklärte in späteren Jahren merkbare Verbesserung erfahren zu haben. Der Fall Maria Theresia Paradis entwickelte sich letztlich zum Skandal, es kam zu Handgreiflichkeiten zwischen Familienmitgliedern der Familie Paradis und Mesmer – selbst der Vorwurf sexueller Annäherungen gegenüber der blinden Musikerin durch den Arzt standen im Raum.
Letztlich übersiedelte Franz Anton Mesmer nach Paris, wo er weitere Erfolge feiern konnte. Durch den Ausbruch der französischen Revolution im Jahre 1789 allerdings versiegte auch diese Quelle des Erfolges abrupt. Mesmer verbrachte die letzten Jahre seines Lebens am Bodensee, wo er einst auch das Licht der Welt erblickt hatte. Er hielt an seiner Lehre fest und behandelte seine Patienten zuweilen auch gratis. Die Tage des großen Erfolges allerdings sollten nicht wiederkehren.
Ärzte, Heiler und Magier hingegen sollte es in den darauffolgenden Jahrhunderten noch viele geben. Auch die Idee des animalischen Magnetismus wurde weiter entwickelt und fand ihre Anhänger. Mit Karl Hansen, einem aus Dänemark stammenden Kaufmann, kam ein ganz ähnliches Phänomen nach Wien, wie es einst Mesmer dargestellt hatte. Hansen trat im Wiener Ringtheater auf, arbeitete mit Hypnose und einer nicht näher definierbaren, dem Magnetismus ähnlichen Kraft. Am Ende eines etwas kuriosen, Aufmerksamkeit erregenden Gerichtsprozesses bekam Hansen jedoch Auftrittsverbot in Wien. Man hatte ihn des Schwindels schuldig gesprochen.